Da sie Ihnen so viele Nachteile einbringen kann, ist es wichtig, eine schlechte Hausverwaltung möglichst frühzeitig zu enttarnen. So können Sie sich noch Gedanken machen, ob Sie die Wohnung wirklich kaufen möchten. Natürlich können Sie den Leuten nur vor den Kopf gucken, und jeder versucht, sich selbst im besten Licht zu präsentieren. Also benötigen sie etwas, aus dem Sie Rückschlüsse ziehen können. Worauf können Sie achten?
Mitmenschen
Nach der Besichtigung können Sie im Treppenhaus bei ein oder zwei Nachbarn klingeln, um sich den zukünftigen Nachbarn höflich vorzustellen. Fragen Sie, wie WEG und Hausverwaltung so sind. Gab es in der Vergangenheit Probleme oder Meinungsverschiedenheiten? Wurden größere Sanierungen vertrödelt oder gab es Probleme mit dem Geld? Die meisten Menschen fühlen sich geschmeichelt, wenn man sie um Hilfe bittet. In solchen Gesprächen können Sie die meisten Informationen gewinnen. Die Anwohner werden Ihnen verraten, ob alles in Ordnung ist, oder ob sich wirklich überhaupt nichts tut, wenn man die Verwaltung braucht.
Hausverwaltung
Rufen Sie unbedingt bei der Hausverwaltung an – So erleben Sie auch direkt deren Reaktionsgeschwindigkeit. Geht jemand ans Telefon oder ruft Sie schnell zurück? Fragen Sie nach Objekt, Eigentümergemeinschaft, Zahlungsrückständen oder Rechtsstreitigkeiten. Zwar darf die Verwaltung Ihnen aufgrund von Datenschutz nur überschaubare Informationen geben, aber eine professionelle Hausverwaltung wird Ihnen durchaus allgemeine Hinweise geben – ob es sich z.B. um eine ruhige, angenehme Eigentümergemeinschaft handelt, oder ob es immer wieder Probleme gab.
Wenn die Hausverwaltung schon in dieser Phase nur sehr schwer ans Telefon zu bekommen ist, Ihre Rückrufbitten nicht erfüllt, oder sich bei jedem Kleinkram hinter Datenschutz versteckt, ist das eine wichtige Erkenntnis. Die Zustände werden sich nach dem Kauf nicht bessern.
Papier
Lassen Sie sich die Beschlusssammlung und die Protokolle der letzten Eigentümerversammlungen und die letzten Jahresabrechnungen zeigen. Weshalb wird das eigentlich so selten gemacht? Die Beschlusssammlung ist doch ideal zur Informationsgewinnung!
Schon am Datum erkennen Sie vieles: Wenn die Abrechnung erst im August fertig ist und die Eigentümerversammlung im November stattfindet, ist das kein gutes Zeichen: Hier wird getrödelt – aus welchen Ursachen auch immer.
In den letzten Abrechnungen können Sie die Entwicklung der Rücklage einsehen. Sie erkennen, ob regelmäßig Instandhaltungen vorgenommen wurden – auch größere Maßnahmen wären zumindest ein Zeichen, dass es nicht an der Umsetzung hapert. Außerdem sehen Sie den Aufbau der Abrechnung: Ob sie mit der Schreibmaschine am Küchentisch geschrieben wurde oder ein professionelles Layout besitzt. Ist die Abrechnung verständlich oder ein Zahlendschungel? Das ist sehr wichtig, um nachvollziehen zu können, wie mit dem Geld umgegangen wurde. Denken Sie auch daran, dass Sie aus der WEG-Abrechnung später die Betriebskostenabrechnung für Ihren Mieter machen müssen. Von daher ist es wichtig, dass Sie das Zahlenwerk durchblicken.
Noch einmal dazu: Auch der Aufbau der Protokolle verrät vieles: Macht die Verwaltung „Dienst nach Vorschrift“, dann ist es mit wenigen Stichpunkten getan. Oder kann man aus den Protokollen echte Informationen gewinnen? Das ist wichtig für die Eigentümer, die nicht selbst da waren. Gibt es unter den Eigentümern Spaßvögel, die die Eigentümerversammlung immer wieder als Bühne missbrauchen, um ihre Monologe ins Protokoll aufnehmen zu lassen? Wenn es ständig mehrere Versammlungen pro Jahr gibt, deutet das auf eine unruhige Eigentümergemeinschaft hin – ein potenzielles KO-Kriterium, aber daran kann der beste Verwalter nichts ändern.
Ein Gedanke zu „Wie erkennen Sie eine schlechte Hausverwaltung vor dem Kauf? – Warnhinweise und Merkmale“