WEG-Reform 2020: Wenn die Eigentümer die Kostenverteilung nachträglich ändern möchten

Änderung der Kostenverteilung

In manchen Fällen kann es fairer sein, die sog. „Umlageschlüssel“ zu ändern, also den Maßstab, nach dem bestimmte Kostenarten auf die Eigentümer umgelegt werden.

Endlich! Seit dem 01.12.2020 haben wir ein neues WoEigG. Ich halte die WEG-Novelle für gut gelungen und sehe viele Vorteile. Hier gebe ich (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) einen Überblick über die neuen Regeln:

Denken Sie z.B. an die Treppenhausreinigung: In manchen Fällen ist es fairer, diese Kosten in gleichen Teilen nach der Anzahl der Wohneinheiten oder nach der Anzahl der Personen umzulegen, anstatt nach Miteigentumsanteil. Darüber können die Eigentümer mit Mehrheitsbeschluss entscheiden.

Bisher wardieser Mehrheitsbeschluss aber ziemlich eingeschränkt. Nur die Verteilung BESTIMMTER Kostenarten konnte man mit Mehrheitsbeschluss ändern:

  • Bisher konnte nur die Verteilung von Betriebskosten (also Kosten, die auf Mieter umgelegt werden können) mit einfachem Mehrheitsbeschluss geändert werden.
    • Beispiel: Die Kosten der Müllabfuhr werden nicht mehr nach Miteigentumsanteil, sondern nach Personen verteilt.
  • Bisher konnte die WEG außerdem die Verteilung der Kosten von baulichen Maßnahmen IM EINZELFALL per Mehrheitsbeschluss ändern.
    • Dauerbrenner-Beispiel: Dem Eigentümer xy wird gestattet, auf eigene Kosten „seine“ Fenster auszutauschen. So ein Beschluss regelt übrigens Kostentragung („…auf eigene Kosten…“) UND Genehmigung der Baumaßnahme (Fenster = Gemeinschaftseigentum!).

Auch in Zukunft sollte man mit dem Fenster-Beschluss vorsichtig sein, weil es hier nicht nur um Kostentragung geht, sondern auch um Eingriff in Gemeinschaftseigentum. Die Fenster bleiben schließlich Gemeinschaftseigentum!

Das neue WoEigG erlaubt, dass die WEG per Mehrheitsbeschluss die Kostenverteilung aller Kostenarten ändern darf (ohne Beschränkungen auf Betriebskosten).

Trotzdem muss die Änderung „verteilungsgerecht“ sein, also keine x-beliebigen Änderungen, sonst ist der Beschluss anfechtbar.

Beispiel:

Wohnung 18 zahlt ab jetzt die gesamten Gebäude-Versicherungsprämien ganz allein. So geht’s nicht.

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